Auch dieser Artikel stammt noch aus dem alten Blog, ist in seiner Kernaussage immer noch aktuell:

Angeregt durch den Beitrag „7 Gründe zum Ausstieg aus einer fotocommunity“ im Blog von Olaf Barthke habe ich mal näher hingeschaut, wie die Reaktionen auf ein und dasselbe Bild in drei verschiedenen Fotocommunities ausfällt. Das Bild oiled2 welches Ihr hier seht habe ich fast zeitgleich in drei fotocommunities hochgeladen. Einmal in die fotocommunity, View.stern und in die internationale community flickr. Heute Abend, also gut 2 Tage nach dem Einstellen, sehen die Reaktionen wie folgt aus:

fotocommunity: Das Bild wurde 445 mal angeschaut und erhielt nicht einen Kommentar. da es mittlerweile weit in seinem Bereich nach hinten gerutscht ist, wird es kaum noch angeschaut. Dies ist typisch für die FC, da die Bilder nur in eine Gruppe eingestellt werden können und durch die große Masse von neuen Bildern schnell verdrängt werden. Auch die wenigen Kommentare sind eigentlich typisch, wenn man so wie ich, sich keine große Buddy-Gemeinde aufgebaut hat.

view.stern: Hier wurde das Bild 886 mal angesehen und 2 mal kommentiert. Hier ist die Struktur ähnlich wie in der FC, aber wohl der Zulauf neuer Bilder geringer, deshalb wird m.E. das Bild öfter angeschaut. Wie auch schon in anderen Posts geschrieben, gibt es auch hier relativ wenig Kommentare wenn man keine Buddy-Gemeinde hat.

flickr: Nur 88 mal wurde bisher auf dieses Bild geklickt aber dafür hat es bereits 24 Kommentare und Awards zu verzeichnen. Neben der Struktur, (hier kann man das Bild in verschiedene Gruppen laden, die zwar teilweise nur wenig Member haben, diese aber dann am Thema stärker interssiert sind), kommt meines Erachtens auch bei den internationalen Betrachtern etwas mehr Mut bzw. Unbeschwertheit zum Tragen, wenn es um das kommentieren eines Bildes geht. Durch die Gruppeneinteilung wird erfahrungsgemäß das Bild auch in einigen tagen noch häufiger angesehen.

Diese, zugegeben recht spontane und subjektive Analyse, deckt sich aber nicht nur mit meinen Erfahrungen. In deutschen Communities braucht man eine Buddy-Gemeinde, wenn man reichlich Feedback zu seinen Bildern bekommen will. Ansonsten besteht wohl die Angst, das es zu heftigen Auseinandersetzungen bei der Kommentierung kommen kann, bei denen es nachher häufig gar nicht mehr so um das eigentliche Bild geht. Wer des öfteren deutschsprachige Foren besucht, kennt dieses Verhalten ja sicherlich. 🙁 In der internationalen Szene, nicht nur bei flickr, habe ich derartige Konfrontationen eigentlich noch nicht erlebt. Man geht bei sachlicher, durchaus auch negativer Kritik, einfach höflicher miteinander um. Ich will das jetzt nicht verallgemeinern und als wissenschaftliche Erkenntnis hinstellen, es ist aber meine Erfahrung bei nun mittlerweile mehrjähriger Mitgliedschaft in diversen Fotocommunities. Sicher gibt es auch andere Erfahrungen. M.E. gibt es da etwas für uns zu lernen, nicht nur was die Fotografie angeht ;-)))

Die Zahlen haben sich wie folgt bis heute weiterentwickelt und bestätigen weiterhin meine damalige Einschätzung:

fotocommunity: 1 Kommentar, 557 views

view-Stern: 3 Kommentare, 3700 views

flickr:  48 Kommentare, 497 views

  • World of Boudoir: 500 Mitglieder!!
    World of Boudoir: 500 Mitglieder!!

9 Comments. Leave your Comment right now:

  1. by claudia

    Nun, davon abgesehen, dass ich für mich dieses online Fotos bewerten (von einer Anfangszeit abgesehen, als Kritik am Bild für mich sehr hilfreich war. Wohlbemerkt; Kritik nicht Lob) ein schwieriges Thema ist, weil ich noch nie verstanden habe, was daran gut sein soll Fotos in einem Massenmedium zu präsentieren und bewerten zu lassen, ist Dein Resultat jetzt nichts wirklich Neues.

    „In deutschen Communities braucht man eine Buddy-Gemeinde, wenn man reichlich Feedback zu seinen Bildern bekommen will.“
    Das wissen ja nun seit längerem. Wem geschmeichelt wird, der schmeichelt zurück. Und dass bei flickr mehr passiert ist auch logisch: deutlich größere Reichweite als die beiden von Dir genannten deutschen Communities – und die User dort besitzen eine deutlich höhere Social Media-Affinität. Also von den Usern dort wird viel schneller mal ein Foto via Facebook oder Twitter oder in einem Blog positiv besprochen oder darauf aufmerksam gemacht als in den beiden anderen Communities, in denen so mancher User höchstens noch in Foren aktiv ist, Blogs nicht besucht, geschweige denn schreibt etc.

    Ich bin letzten Winter seit langer Zeit mal wieder bei FC gelandet und als erstes wurden mir alle Fotos präsentiert von einem „Fotografen“, der seine, das muss man schlicht sagen, Urlaubsknipsereien in voller Gänze unsortiert dorthin hoch geladen hatte. 97 % der Fotos hätte ich nie einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Und eine Fotocommunity in der ich so zugemüllt werde, ist für mich nicht attraktiv. Wie soll jemand, der so dermaßen unkritisch mit seinem eigenen Talent umgeht, mich oder meine Kunst bewerten?

    Davon abgesehen sind mir die Deutschen nach wie vor immer noch zu technikgläubig. Die allermeisten können leider mit wirklich Kunst in der Fotografie ganz wenig anfangen. Dein Foto ist natürlich was anderes, wegen Premiumcontent. 😉

  2. by Guido

    Mit Tittenbildern (sorry) bekommt man bei Flickr viel Resonanz. Aber das meiste sind eben Gruppeneinladungen oder oberflächliches Blabla. Ist bei den flickr-Kommentaren auch nur einer dabei, der Dich stolz macht oder Dir irgendwie weiter hilft?

    In Deutschland ist es – unabhängig vom Thema Foto – üblich, gerade heraus Kritik zu üben. Sachliche Kritik gilt nicht grundsätzlich als unhöflich. In den meisten amerikanischen und asiatischen Kulturkreisen gilt direkte Kritik dagegen als extrem unhöflich. Die Leute dort sind oft völlig konsterniert, wenn man als Deutscher schlechte Dinge ganz offen anspricht. Dieser kulturelle Unterschied spiegelt sich letztlich auf der internationalen Plattform Flickr wieder und der Grundton ist dort viel freundlicher aber auch oberflächlicher. Konstruktive, negative Kritik ist da nur in homöopatischen Dosen zu finden.

    Stell mal unter neuem Account ein gutes Landschaftsbild da ein. Da wirst Du nur viele Kommentare ernten, wenn Du ein großes Netzwerk hast.

    • by admin

      teilweise gebe ich Dir schon recht, allerdings ist es in Deutschland mit der sachlichen, konstruktiven Kritik m.E. auch nicht mehr weit her.
      Im Gegenteil, sobald eine Kritik negativ wird, gleitet sie in vielen Fällen auch sofort ins beleidigende, persönliche ab. Speziell in der fc ist da häufig anzutreffen sowohl unter den Bildern als auch in den Foren. 🙁
      Ich habe auch in fast allen communities Accounts in denen ich keine People-Fotografie ausstelle. Hilfe und konstruktive Kritik bekommst man dort auch in deutschen communities sehr wenig. Und wenn man es selber mal mit einer solchen versucht, kann es sein, daß man vom Buddy-Club des kritisierten regelrecht fertig gemacht wird. In meinen Augen eine typisch deutsche Erscheinung.
      Natürlich sind auch dort weniger Kommentare etc. zu holen, als bei den „Tittenbildern“.
      Aber es gibt da keine nationalen Unterschiede. Bei view und fc gehen Aktfotos auch sehr gut im Gegensatz zu „normalen“ Fotos. Spanner gibt es überall. 😉

  3. by Nils Luther

    Also ich bin neben flickr noch im http://digi-phototalk.de/ und war sehr erstaun wie viele Kommentare man ohne Gegenseitiges „Eierlecken“ (sorry) dort bekommt. Und die Qualität der Kommentare geht weit über das flickrtypische „tolles Foto!“ hinaus.

    Ciao Nils

  4. by Andreas

    Treffender Artikel. Vor ein paar Wochen gab es hier http://bogenheimer.wordpress.com/2010/07/18/warum-fotocommunities-nicht-funktionieren/ einen vergleichbaren Artikel, den ich ebenfalls kommentiert habe.
    Zitat:
    „Dein Artikel hat es sehr schön auf den Punkt gebracht! Ich will mich da nicht ausnehmen. Der Punkt ist, nach meiner Meinung, dass man Lob schnell und einfach auf ausdrücken kann. Bei Kritik hingegen ist jeder vorsichtig. Man betritt eine Gratwanderung zwischen Verletzung und Kränkung, dabei möchte man doch eigentlich konstruktiv sein. Dafür die richtigen Worte zu treffen kostet Zeit und die nimmt man sich häufig nicht. (Mich eingeschlossen)“

    Mir scheint der Punkt „Netzwerk“ sehr wichtig zu sein. Erst wenn man genügend „Buddys“ hat, werden die Bilder beachtet und kommentiert. Dabei heißt kommentieren eher „lobhudeln“, also genau so wie Du es auch beschrieben hast.

    Von den drei von Dir genannten habe ich bisher nur flickr ausprobiert. Hier machen die Gruppen wirklich viel aus. Die Kommentare gehen sicherlich eher in Richtung „tolles foto“, „nice picture“, aber das hast Du ja such geschrieben.

    Im Leica-Forum habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass eingestellte Bilder von „neuen“ häufiger ignoriert werden. Es fehlt halt das „Netzwerk“. Dort habe ich persönlich aber auch schon sehr konstruktive Kritik erhalten.

    Gruß
    Andreas

    • by Andreas

      PS: Bin über einen tweet von Olaf Bathke auf Deinen Artikel aufmerksam geworden.

  5. by El Lobo

    Also ich bekomme bei flickr nur Mistkommentare, eine ernsthafte Auseinanderseztung mit den Fotos findet dort einfach nicht statt.

    Meine Vergleiche haben bisher immer ergeben, dass ich in der fotocommunity das beste, tiefgehendste und hilfreichste Feedback erhalten habe.

    Man muss allerdings auch dazu sagen, dass ich selbst auch viele Bilder bespreche. Aber wie sollte es anders sein: da es leider nur sehr wenig Leute gibt, die viel kommentieren, aber keine Bilder hochladen, kann man nur erwarten, dass sich Leute mit den eigenen Bildern auseinandersetzen, wenn man dies auch mit ihren macht.

  6. Pingback: 500px – ein neuer Versuch in einer anderen Community › Lothars Lichtbilder

  7. Lieber Lothar, ich habe mir Dein Statement zu FCs durchgelesen.
    Ich verstehe Dich durchaus, aber ich denke auch, dass sehr unterschiedliche Aspekte eine Rolle spielen. Ich denke zum einen, dass wir Deutsche und daher die „fotocommunity“ (fc), ein spezifisches deutsches Herangehen an Fotografie und Community haben. Wer in der „fc“ aktiv ist und andere User besucht und deren Bilder bespricht, wird sich darüber freuen, ebenfalls besucht zu werden und Anmerkungen unter seinen Bildern erhalten. Wer nur seine Bilder gesehen haben will und sich um andere User nicht kümmert, wird möglicherweise wenig Besuch von anderen erhalten. Wobei Akt-Fotos immer gehen. Warum Du in der „fc“ keine Anmerkungen erhalten hast, mag vielleicht daran liegen, dass Dein Foto möglicherweise für die meisten User keine „Besonderheit“ mehr darstellt. Letztlich geht es in der „fc“ wohl vorrangig um den Aspekt „Sehen und Gesehen werden“ und weniger um das Streben nach Perfektion. Die Franzosen in der „fc“ sind da schon ganz kommunikativer und auch großzügiger in Fragen von Anerkennung.
    Scheinbar eine Mentalitätsfrage bzw. eine Frage der eigenen Kultur.
    Ich habe mir mal die FC-Seite des „Stern“ angeschaut und mit einfach mal ein Bild betrachtet und die Kommentare dazu. Nun, eine qualitative Steigerung gegenüber Kommentaren in der „fc“ konnte ich nicht erkennen. Warum also dann wechseln ?
    Zu „flickr“ möchte ich mich nicht äußern; ich habe so meine Vorbehalte bei dieser Größe. Ich mag es eher klein und überschaubar.
    Letztlich habe ich den Eindruck, dass alle Communitys im Prinzip ähnlich funktionieren und das es wohl darauf ankommt, welche Erwartung, welche Ansprüche man selber hat. Mir wäre ein konkreter Austausch, ein konkretes Treffen mit Fotofreunden wichtig, wie es z.B. in bzw. über die „fc“ möglich ist.
    Was mich an allen FCs letztlich stört, ist die Massenproduktion an Fotos, also an uplouds. Mich erschlägt das. Ich hatte in der „fc“ mal angeregt, dass jeder User maximal 50 Bilder zeigen kann und höchsten 1 Bild in der Woche hochladen kann.
    So bliebe das Ganze überschaubar und eine qualitative Community wäre wohl eher gegeben. Alternative: jeder der ein Bild hochlädt, muß 5 fremde User besuchen und mindestens je 1 Foto kommentieren, also insgesamt 5 Kommentare abgeben.
    Eine Anmerkung zur Aktfotografie, z.B. in der „fc“: da kommt selten mal etwas wirklich neues oder interessantes (im fotografischen Sinne). Da sehe ich immer nur die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung und auch viel: Deutschland privat.
    In 50 Jahren werden sich die Soziologen darüber den Kopf zerbrechen, warum die Deutschen bei soviel produziertem „Mist“ nicht ausgestorben sind. Intelligenz läßt sich daraus schwerlich ableiten.
    Wie auch immer: viel Erfolg im neuen Jahr !
    Neydhart v.G.

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